Heilberufe 6/2014

Prävention berufsbedingter Ekzeme: Hautgesundheit in die eigenen Hände nehmen

heilberufe6_2014Bremen. Berufsbedingte Hauterkrankungen nehmen im Gesundheitswesen weiter zu. 50% der Pflegekräfte geben an, das sie schon einmal ein Handekzem hatten. Die Entwicklung von minimalen Hautirritationen zu schweren Ekzemen erfolgt schleichend und der Ernst der Lage wird von den Betroffenen meist zu spät erkannt. Um Schmerzen, langen Ausfallzeiten und drohender Berufsaufgabe vorzubeugen, sollten die vorhandenen Präventionsmaßnahmen rechtzeitig genutzt werden.

Trockene Fingerspitzen. Nietnägeln oder Juckreiz – meist beginnt es ganz harmlos. Dass diese minimalen Hautveränderungen im weiteren Verlauf unbehandelt zur Berufsaufgabe zwingen können, wird immer noch zu wenigbeachtet. Dabei besteht gerade im Gesundheitswesen ein hohes Risiko. ein berufsbedingtes, chronisches Handekzem zu entwickeln. Schon im ersten Ausbildungsjahr zeigt sich bei 27% des Krankenpflegepersonalsein Ekzem an den Händen. Tendenz steigend.

Heilberufe – 06 / 2014 Seite 10-13

Weser Kurier

Chronisches Hand-Ekzem

weser-kurier-feb2012-200Bremen. Das chronische Hand-Ekzem ist die häufigste berufsbedingte Hauterkrankung, rund zehn Prozent der Deutschen sind davon betroffen. Zu viele, wie Dr. Andreas Degenhardt, Hautarzt in Bremen, betont. Der Grund dafür: „Leider gehen viele Patienten immer noch viel zu spät zum Arzt“, sagt er. Nach Angaben des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD) warten die Betroffenen fünf bis sieben Jahre, bis sie sich professionelle Hilfe suchen. Würden sie bereits bei den ersten Anzeichen für entzündliche Hautveränderungen an der Hand den Facharzt aufsuchen, könnte in den meisten Fällen eine Chronifizierung des Ekzems verhindert werden, betont Degenhardt. Außerdem wäre die Behandlung deutlich einfacher und weniger langwierig.

„Die Patienten leiden extrem unter den sichtbaren Symptomen“, schildert der Bremer Dermatologe. Warum die Betroffenen dennoch nicht sofort eine Behandlung beginnen, erklärt er unter anderem mit der Angst, nicht ernst genommen zu werden oder weil sie sich schämen. „Hinzu kommt die Befürchtung, dass sie über kurz oder lang ihren Beruf aufgeben müssen“, weiß Degenhardt aus vielen Gesprächen mit Patienten.

Der Grund dafür: Auslöser für ein chronisches Handekzem sind bestimmte Stoffe und Substanzen, mit denen die Betroffenen immer wieder in Berührung kommen – in der Regel geschieht dies am Arbeitsplatz. Das können zum Beispiel, Reinigungsmittel, Farben, Metalle, Gummihandschuhe, Desinfektionsmittel oder Klebstoffe sein. Ein erhöhtes Risiko im Laufe des Berufslebens ein Handekzem zu entwickeln, haben demnach vor allem Friseure, medizinisches Personal und Beschäftigte in Industriebetrieben.

„Wer solchen Stoffen ausgesetzt ist und demnach zur Risikogruppe gehört, sollte unbedingt regelmäßig Vorsorge betreiben, damit sich erst gar keine Hautschäden entwickeln können. Dies gilt vor allem für Menschen, die Umgang mit Chemikalien wie Säuren oder Laugen, haben, viel mit Wasser arbeiten“, empfiehlt Degenhardt, der eine spezielle Handsprechstunde eingerichtet hat. Sehr häufig wüssten die Betroffenen aber gar nicht, dass dies möglich sei oder nehmen Hautveränderungen sogar als notwendige Begleiterscheinung ihres Berufes hin. Dabei helfen nach Angaben des Berufsverbandes der Dermatologen schon einfache Hautschutzmittel wie Cremes, Salben oder Gels. Sie unterstützen den natürlichen Schutzmantel der Haut und können das Eindringen von schädigenden Stoffen in die Haut verhindern. Bei der Reinigung sollten zudem möglichst milde Mittel verwendet werden. Außerdem kann man sich mithilfe von Handschuhen gegen den Auslöser schützen.

Die Behandlung des Ekzems richtet sich nach dem Schweregrad. Sie besteht aus einer äußerlichen Anwendung, ebenfalls in Form von (cortisonhaltigen) Salben und Cremes. Weitere Optionen sind eine Lichttherapie sowie spezielle Medikamente.

Weser Kurier – 01. Februar 2012